Fotografie

Zur Lokalzeitung bin ich vor mehr als 20 Jahren als freie Mitarbeiterin gegangen, weil ich fotografieren wollte. Dort lernte ich, meine Filme in der Dunkelkammer zu entwickeln und Foto für Foto abzuziehen, bis ein Brauchbares für die Veröffentlichung dabei war. Aus dieser Zeit ist meine Freude an der analogen Fotografie geblieben. Und – nach einer 15 Jahre andauernden Pause – stehe ich heute wieder im Fotolabor und mache Abzug um Abzug, bis es passt.

Quiosques de Lisboa

Fotografien von Christina Dirlich

Die maurische Geschichte Lissabons und Portugals spiegeln die Kioske in der Stadt am Tejo wider. Die meisten sind aus Gusseisen – versehen mit filigranen Gittern, Markisen und dekorativen Kuppeln. Die kleinen Pavillons sind meist achteckig und im Stil des Art Déco gehalten. 1869 wurde der erste auf dem zentralen Platz Rossio errichtet. Daraufhin wurden viele auf zentralen Plätzen, am Ufer des Flusses Tejo und den Prachtstraßen wie der Avenida da Liberdade gebaut. Bereits im 19. Jahrhundert wurden dort Speisen, Getränke, Zigaretten und Zeitungen verkauft.

Doch nach und nach wurden die winzigen Verkaufsstände aufgegeben. So wurden während der Ära von Diktator Salazar (1932-1968) viele Kioske geschlossen; im Estado Novo war es nicht so gern gesehen, wenn sich Menschen in größerer Zahl zum Meinungsaustausch versammelten. Erst in den 1980er-Jahren – als Plätze und Parks saniert wurden – entdeckte man auch die Kioske wieder. Und nahm sie wieder in Betrieb. Rund 100 gibt es heute im gesamten Stadtgebiet. Sie sind nicht nur Verkaufsstände für Snacks, Getränke und Zigaretten, sondern verwandeln die Plätze um sie herum zu lebendigen Orten der Begegnung, wo die Menschen bei einem Kaffee miteinander ins Gespräch kommen.

Entstanden sind die Fotos im März 2025.

„Wie es leuchtet“

Christina Dirlich, Oliver Klier und Heiko Zimmer zeigen Fotografien vom Gewächshaus im Bistro der Kooperative in Bornheim

Das Gewächshaus ist ein einzigartiger Ort, der Ruhe ausstrahlt, obwohl so viel darin passiert. Hier wachsen Pflanzen, Reihe für Reihe, unter dem Schutz des Glases. Hier entwickelt sich Leben. Die Atmosphäre ist warm und wohlig. Von außen besticht die Glas-Stahl-Konstruktion durch ihre einfache Form, die viel Platz für Projektionen bietet.

Die Idee des Projekts war simpel: Das Gewächshaus von innen beleuchten, um es dann in der halben Stunde Dämmerung, in der die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwindet, zu fotografieren. Anfang März 2024 sind die Bilder entstanden. Benutzt haben die drei Fotograf*innen digitale sowie analoge Kameras. Je dunkler es wurde, umso mehr leuchtete das Glashaus. Nur wenige Scheinwerfer waren notwendig, um das Gewächshaus aus seiner alltäglichen Funktion heraus in eine neue Dimension zu heben und so zu einem Kunst-Objekt zu machen. Wie es leuchtet!

Oliver Klier, Heiko Zimmer und Christina Dirlich sind Teil des offenbar Fotolab – einer Gruppe von Fotograf*innen, die sich regelmäßig im offenbar e.V., einem Verein für kreatives Arbeiten und Coworking in Offenbach, trifft.

Hafen-Kiosk, August 2020

Beim Kalenderwettbewerb der Hessen Agentur habe ich mit diesem Foto vom Hafen-Kiosk gewonnen. Die Jury hat es für den Monat März ausgewählt. So repräsentiert es zusammen mit elf anderen Bildern die Kreativwirtschaft in Hessen.

Zu sehen auch online unter www.feelslikehessen.de

Stillstand

Die ersten Tage und Wochen der Corona-Pandemie herrschte eine fast unwirkliche Leere auf den Straßen der Stadt. Mir war durchaus bewusst, dass das eine historische Zeit war – daher wählte ich die analoge Spiegelreflexkamera und legte einen Schwarz-Weiß-Film ein. Denn dieser macht die Szenerie zeitlos.


Die Stadt erwacht

Ein Fotospaziergang durch Offenbach

An einem frühen Samstagmorgen sind wir vom Mainufer kommend durch die kleinen Straßen Richtung Innenstadt gelaufen. Ich entdeckte diese – noch tief schlafenden – Sonnenschirme im Hof einer türkischen Bäckerei. Veröffentlicht wurden sie dann im Kalender des Stadtmagazins Mut&Liebe.


Karlsbad, 2004
Bremerhaven, 2002
Stockholm, 2005

Europas Kioske

Es ist die große Welt, die da im Kleinen zusammenkommt. Der Kiosk – ein ganz alltägliches Phänomen. Mal heißt er Trinkhalle, mal Büdchen oder Tabak. Und immer wieder Kiosk.

„Kiosk“ bedeutet „Verkaufsbude für Zeitungen, Getränke u.a.“: Das Fremdwort wurde im 18. Jh. in der Bedeutung „offener Gartenpavillion“ aus frz. kiosque entlehnt. Dies stammt aus türk. köşk „Gartenpavillion“, das seinerseits pers. Ursprungs ist (pers. kūšk „Pavillion; Gartenhaus“). Die moderne Bedeutung erscheint erst im 19. Jh.

Er ist ein urbanes Phänomen, das wie ein Überbleibsel aus längst vergangenen Tagen wirkt. Obwohl immer noch lebendig. Ein Treffpunkt im Viertel, ein Retter in der Not. Der auf ein Bier einlädt und noch die Tüte Milch bereit hält, wenn alle anderen Geschäfte längst geschlossen haben. Ein Phänomen, das selbst vor Supermarkt-Öffnungszeiten bis Mitternacht nicht in die Knie geht.

Der Kiosk hält Neuigkeiten bereit und lädt auf ein Schwätzchen ein. Und macht für manchen Kunden sogar den Besuch in der Kneipe nebenan überflüssig. Er ist Garant des kleinen Glücks, lässt doch seine Eiskarte das Kinderherz schneller schlagen, während sich der Erwachsene freut, die neueste Ausgabe seiner Lieblingszeitschrift druckfrisch in den Händen zu halten.

In vielen Ländern Europas trifft man auf den Kiosk. In Skandinavien, Osteuropa, Deutschland sowieso. Oft erinnert seine Architektur noch an den Pavillion, von dem der Begriff abstammt. An anderer Stelle – in Offenbach beispielsweise – befinden sich viele Kioske im Erdgeschoss eines Hauses. Und sind dennoch durch Schilder und Ausstattung besondere Hingucker.

Es gibt Kioske, die berühmt geworden sind, weil sie Zeugen der Zeitgeschichte wurden, wie das Bundesbüdchen in Bonn. Andere sind etwas Besonderes, weil sie unter Denkmalschutz gestellt wurden, wie der in der Porzer Straße in Köln. Und es gibt die vielen, die zum Alltag gehören, an denen man täglich vorbeikommt. Bei denen man kurz anhält, um eine Zeitung oder eine Cola zu kaufen und die eigentlich nie in den Fokus rücken. Einige dieser Kioske sind hier in ihrer ihnen eigenen Schönheit zu sehen.

Roskilde, 2005
Zielona Gora, 2006
Karlsbad, 2004
Göteborg, 2005
Göteborg, 2005
Stettin, 2007
Allinge, 2016
Offenbach, 2014
Offenbach, 2014